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zurück zur Übersicht "Wichtige Artikel" > diesen Artikel als PDF-Datei herunterladen > „Wir sind jetzt ... viel besser im Reinen.“Erlebnisse auf und nach einem Festhalte-Workshop„Für mich war das Ganze wahnsinnig intensiv. Ich glaube, ich habe mich da zum ersten Mal so richtig intensiv mit mir selber auseinandergesetzt und das ist nach diesem Workshop auch noch lange anhaltend geblieben. Ich bin dorthin gefahren und wusste nicht auf was ich mich da einlasse. Es war Konfrontation mit allen Seiten. Erstens mit Patrick (dem Partner/dA) mich so intensiv auseinander zu setzen und ... dann halt auch mit mir selbst...Ich hatte das Gefühl so intensiv war es noch nie in unserer ganzen Beziehung - bis auf die Verliebtheitsphase.“ Isabel, eine junge Frau von Anfang 20, die das erzählt, sitzt unserer Praktikantin Tabea Rink gegenüber. Tabea ist unterwegs, um ehemalige TeilnehmerInnen unserer Festhalte-Workshops am jirina-prekop-zentrum Röthenbach zu interviewen. Was uns interessiert, ist insbesondere: Was hat sich seit dem Workshop innerhalb der Familien verändert? Wie beurteilen die TeilnehmerInnen, das was sie beim Workshop erlebt haben im Rückblick nach einem halben oder einem ganzen Jahr? Und was ist haften geblieben? Isabel dazu: „Das Gefühl für einen selbst, für uns beide miteinander. Für mich zumindest. Ich hatte schon so das Gefühl, dass dieses Wochenende alles umgekrempelt hat, dass auf einmal alles ganz anders war und nicht mehr so ein Schrankendenken – halt auch mal um die Ecke denken und fragen, wo kommt das her und warum ist das so und was kann man daraus machen?“ Die Interviews, die entstanden, sind so interessant und vielfältig, so originell und authentisch, dass die Idee geboren wurde, sie in Ausschnitten hier an dieser Stelle in der Holding Times zu veröffentlichen. Denn wer könnte besser den Nutzen und die Effektivität der Workshops beurteilen als die betreffenden Teilnehmer. Zugleich können Sie als Leser einen Einblick erhalten in die Ausstrahlungskraft der Workshops. Besonders gedankt sei an dieser Stelle Tabea Rink, welche nicht nur die Interviews führte, sondern sie darüber hinaus auch noch fleißig in den Computer tippte. Ohne sie wäre dieser Artikel nicht möglich gewesen. Selbstverständlich sind alle Namen geändert. Es war nicht leicht, die Fülle des Materials in die hier notwendige kurze Form zu gießen. So habe ich mich bei den Familien jeweils auf einen oder zwei Akzente beschränkt. Bevor die Familien selbst zu Wort kommen, noch einige kurze Erläuterungen zu unserem Setting: Unsere Festhalte-Workshops dauern 3 Tage – meistens von Freitag früh bis Sonntag Spätnachmittag. Die Teilnehmer sind bunt gemischt. Meistens kommen ganze Familien (also Vater, Mutter und Kind(er), manchmal noch mit Großeltern), Alleinerziehende mit Kindern, Paare allein (die etwas für ihre Paarbeziehung tun wollen) und gelegentlich auch Einzelpersonen zur Aussöhnung mit ihren verstorbenen Eltern. Manche der Teilnehmer sind uns bekannt aus der Einzelberatung, andere waren schon bei einem Festhalte-Workshop oder anderen Seminaren bei uns am Institut, einige kommen das erste Mal – oft überwiesen von ihrem Therapeuten oder angeregt durch die Bücher von Jirina Prekop. Jeder Familie wird ein Therapeut zugeteilt, der dann die ganze Zeit mit dieser Familie arbeitet und mit ihr jeweils abspricht, was der nächste Schritt im Vorgehen ist. Alle Festhalteprozesse finden dabei im Einzelsetting statt. Neben dem Familienstellen und dem Festhalten gehören zum Workshop auch gemeinsame Singerunden mit den Kindern, die Gute-Nacht-Massage, Aufklärungsunterricht für die Kinder über das Festhalten, Erziehungsberatung für die Eltern und dgl. Die drei Tage sind also sehr gefüllt und intensiv – und bringen einiges in den Familien wieder in Bewegung und in Fluss. Doch lassen wir die Familien selbst berichten. Kerstin Scheibe, Anfang 20, kam mit ihrer Mutter. Sie erzählt, wie es für sie war, von ihrer Mutter gehalten zu werden: „Also am Anfang war es für mich ziemlich schwer, ungewohnt, seltsam, irgendwo Berührungsangst, dass es so sehr wird, wie ich es überhaupt nicht wollte. Und als sich das dann halbwegs gelegt hatte, da ist richtig viel hochgekommen. ... es hört sich seltsam an, aber mich hat es beruhigt, dass ich den Herzschlag kannte. Das war Wahnsinn gewesen! Das war eigentlich das Beeindruckendste, wo ich gesagt habe, eigentlich gibt es das gar nicht. Der Herzschlag, du fühlst dich direkt als Säugling. Der Herzschlag von der Mutter hat so was Beruhigendes! Es ist Wahnsinn. Ich habe wirklich dagelegen und wäre bald eingeschlafen. Dass man das so intensiv nachempfinden kann, hätte ich mir nicht vorstellen können. ... Das ist auch das, wo ich mich heute daran erinnere und daran denken muss, wie das Gefühl war: warm, geborgen, einfach nur schön. ... Da habe ich das erste Mal Rotz und Wasser geweint – das ging gar nicht mehr – da habe ich auch gedacht – so richtig mit Schluchzen - das hatte ich das letzte Mal gemacht, da war ich vielleicht so (zeigt Hüfthöhe an) groß...“ Ihre Mutter ergänzt: „„Weil es vorher bei uns so krass war, dass wir gar keinen Kontakt mehr hatten, konnte es nur noch besser werden....Wenn ich daran denke, wie die Kerstin geschrieen und gezetert hat als kleines Kind ... und ich wollte sie hochnehmen - aus meiner heutigen Sicht wollte ich sie irgendwo los werden ... >Sei nur nun mal still und hinsetzen!< ...Ich hätte ihr da Schokolade gegeben oder Spielzeug und Ablenkung ... Aber auf die richtige Idee das Mädchen heranzunehmen und einfach nur da zu sein, bin ich nicht gekommen. Sie hat sich hochnehmen lassen, aber hatte die Hände schon vor. ... das ging mit ihr nicht.“ Darauf Kerstin: „Dafür geht es jetzt.“ Ihre Mutter nochmal: „„...seit dem bin ich >gläubig< geworden ... Nun ja, ich habe die Liebe kennen gelernt. “ Ich sehe es (die Liebe) jetzt in den Augen bei vielen Leuten, wo es da ist. Weil man dafür einen Blick bekommt. ... Ich muss sagen, dafür bin ich auch dankbar. Das ist auch erst seitdem.“ Und weiter: „Ich habe weinen gelernt. Das ist ein Geschenk. Ich war hart wie Stahl! ... Das ist wie verschüttet gewesen und durch das Halten irgendwo mit herausgeholt.“ Kerstin schildert auch noch, wie es ihr direkt nach dem Workshop erging: „Einfach nur den ganzen Tag schlafen wollen. Da hat man richtig gemerkt, dass innerlich etwas gearbeitet hat, aber richtig massiv gearbeitet hat. Also ich habe an dem Tag, wo wir nach Hause gekommen sind, wir waren Nachmittag zu Hause. Ich hatte mich hier hingelegt und habe bis zum nächsten Tag sogar geschlafen und dann bin ich aufgestanden und ich stand immer noch neben mir. ... danach war irgendwo ein anderes Körpergefühl. Da hatte man richtig gemerkt, dass es die Nacht richtig gearbeitet hat. Treppensteigen hatte angestrengt, es war einfach alles zu viel. Und als es dann wieder halbwegs aufwärts ging, da war ich erleichtert. Also als wäre richtig eine zentnerschwere Last abgefallen.“ Frau Scheibe: „Es klingt ja auch Vieles jetzt nach, wenn man so drüber nachdenkt. Die Gefühle kommen noch mal so intensiv hoch, dass es mir auch richtig körperlich so geht.“ Insgesamt waren es „mehr als 100 Pluspunkte, die uns das gebracht hat.“ Frau Smalla ist getrennt lebend und kam mit ihren beiden Kindern Franziska (4) und Anna (3). Nach der Familienaufstelllung erlebte sie einen Aussöhnungsprozess unter Visualisierung mit ihrem Vater. Dieser Prozess verläuft sehr strukturiert in drei Schritten, indem es nach dem Ausdrücken des eigenen kindlichen Schmerzes zu einer Phase der Einsicht und des Mitgefühls mit dem Vater und schließlich zu einer aussöhnenden Annäherung kommt. Dabei wird die Klientin haltend von einer anderen Person begleitet. Frau Smallas Empfinden im Umfeld des Prozesses: „...ich dachte, das ist ja idiotisch – ein fremder Mann hält dich fest. Einem fremden Mann bist du so nahe! ... Dann dachte ich so: Na OK, du bist ja auch kräftig, vielleicht würde es eine Frau gar nicht schaffen. Wer weiß, was im Verborgenen ist.“ „...und wie viel da bei mir im Inneren steckte und wie man sich da wirklich in die Kindheit versetzen kann und wie man diese Momente dann durchmacht und wie man dann wirklich seinen Vater sieht und was er so durchgemacht hat ... was da eigentlich so gewesen ist und womit ich nicht klarkomme. Das so konkret anzusprechen, also das hat mir echt geholfen. Und dieses Festhalten fand ich dann im Laufe der Sitzung, dass man richtig gut aufgehoben war, dass man irgendwo sicher war.... Man sieht das dann nicht mehr so. Man sieht den Mann nicht mehr als Mann ... Eine Frau hätte auch diese Sicherheit nicht gegeben, dass man sich wirklich gehalten fühlt. Einfach vom ganzen Körperlichen her schon. Das war ja ein kräftiger Mann, der mich gehalten hat. ... Du hast dich schon richtig gut aufgehoben gefühlt da. Das muss ich ehrlich sagen vom Gefühl her. Das war ein gutes Gefühl... Anders ist jetzt ... dass ich mit meinem Vater reden kann, ... dass ich es überhaupt ansprechen kann, weil ich schon eine sehr strenge Erziehung bekommen habe. ... den Mut zu haben....Und es ist auch ganz, ganz wichtig häufige Kontakte auch zu den Eltern zu haben und nicht bloß zwei Mal im Quartal.“ Im Laufe des Workshops hat Frau Smalla dann u.a. auch ihre Tochter Franziska gehalten. Die Auswirkungen des Workshops und ihre Einsichten zu Hause berichtet sie so: „Sonst bin ich zu den Kindern gegangen und habe gesagt: >Psst!, Ruhig! Schlaft! Nebenan, die wollen auch schlafen< und dies und das, also dass sie schön leise sind. Und die erste Nacht bin ich zur Franzi gegangen und habe gesagt, nix mit Psst und sei still, sondern habe gesagt:: >Ich bin bei dir, du bist sicher bei mir.< Und auf einmal war die ganz, ganz ruhig. Früher hat sie das ganz anders erlebt: >Jetzt ist aber gut und jetzt ist Ruhe!< Jetzt bin ich das ganz anders angegangen und habe gesehen, dass sie etwas ganz anderes braucht. Ich habe sie in den Arm genommen und ihr die Sicherheit gegeben und da stand gutes Gelingen dahinter.“ „Vorher hatte Franzi Anna immer beim Anziehen geholfen und bei anderen Dingen und hatte sie auch immer ein bisschen gegängelt und gesagt: >Jetzt iss ordentlich und mache das und jenes!< Und an dem ersten Tag danach ... kam sie früh zu mir und hat gesagt: >Du hilf mal der Anna, die kommt nicht klar mit Anziehen.< Und das war etwas, was ohne dem Festhalten nie passiert wäre.“ „Was sonst auch eine Sache war, wenn die Kinder beim Vater (waren) ... dort habe ich immer verlangt, du rufst früh an und du rufst abends an. Ich will den Kindern Guten Morgen sagen und will den Kindern Gute Nacht sagen. Und ich bin von dem Workshop weggekommen und habe gesagt: >Wenn euch so ist, dann ruft ihr an. Wenn euch das ganze Wochenende nicht so ist, dann ruft ihr nicht an.< Einfach das nicht aufzudiktieren und ständig die Kontrolle darüber behalten zu wollen, aber das ist halt für mich ein schweres Stück, weil ich sonst immer alles kontrolliert habe.“ „Was sich noch stark verändert hat, war meine Einstellung zu Jörg (Ehemann - getrennt lebend) ... dieses ehrliche Anerkennen und diese ehrliche Achtung Jörg gegenüber... Ich konnte ihm wirklich ganz ehrlich sagen, ich danke dir für die Jahre ... Dieses Anerkennen oder dieser Fakt mir klarzumachen, Jörg wird niemals durch einen anderen Mann ersetzt werden können. Er ist einfach der Vater. ... Und das hat der Workshop bei mit grundlegend verändert. Erst mal sehe ich, wie wichtig diese männliche Bezugsperson überhaupt ist, und mir ist deutlich geworden, dass ich nie einen Vater ersetzen kann.“ „Was auch lange Zeit danach und was auch jetzt noch von Franzi kommt: <Stimmt´s Mama, du und der Papa, ihr sorgt für mich.> Das kam immer wieder und dass sie ja nur die Schwester von der Anna ist. Also das, was ich da immer wieder gesagt habe, diesen Satz: >Ihr seid bei mir sicher und ihr seid beim Papa sicher und der Papa kann sehr gut für sich selber sorgen und ich kann sehr gut für mich selber sorgen. Wir sorgen für euch.< Also diese Sätze haben sich bei ihr wahnsinnig eingeprägt. Das kam dann im Nachhinein immer wieder raus und sie hat mir wirklich klipp und klar genau diese Sätze gesagt. Familie Meinel war als ganze Familie dabei, beide Eltern und drei Kinder. In Bezug auf die ganze Familie und auf die Paarbeziehung sagt Frau Meinel: „Ich hatte den Eindruck, dass mehr Ordnung in unsere Familie kommt, jeder seinen Platz mehr findet.“ „Für mich war das (der Workshop/dA) sehr gut. Für mich hat sich Vieles geklärt mit meiner Familie ... ich bin versöhnt mit meinen Eltern. ... Was ich als Kind (beim Aussöhnungsprozess) gesehen habe, ... das wirklich in der Vergangenheit und bei ihm (Vater) zu lassen, dass das mit meinem Leben nichts zu tun hat und meiner jetzigen Familie, ... das ging mir dort auf.“ „Was (heute) in der Familie und in der Paarbeziehung wirklich viel bringt, dass jeder die Verantwortung für sich wahrnimmt. ... Und es auch dem anderen erlaubt selbst für sich zu sorgen. Wir waren eher in der Gefahr, dass einer für den anderen sorgt und da waren wir immer sehr beschäftigt damit und jetzt sind wir mehr dabei, dass jeder für sich mehr Verantwortung übernimmt und für sich sorgt. Das bringt auch Freiheit für den anderen.“ Was das Festhalten in Bezug auf die Geschwisterbeziehung brachte, schildert sie so: Erik (8, leicht behindert) hat ausgeglichener und zufriedener gewirkt ...war nicht mehr so unruhig...Dass Erik auch besser weiß, dass er nicht mit allem allein klarkommen muss, sondern dass er so eingebunden ist in die Familie, das gibt ihm schon mehr Ruhe.“ Danilo (10) war ja sonst immer so lieb ... auf einmal hat er mehr protestiert und hat auch mehr darauf hingewiesen, wo Erik bevorzugt wird. Also er war eher so bisschen aufmüpfig ... wir haben das positiv gewertet.“ Und noch zwei kleinere Beobachtungen von ihr, welche insbesondere die Bedeutung der körperlichen Ebene hervorheben: „Uns ist Eriks Schreibschrift aufgefallen ... am Anfang hat er verkrampft geschrieben, ruckartig und mit viel Absetzen immer. Und dann habe ich drei Tage nach dem Workshop mal sein Deutschheft durchgeblättert, da war eine Seite, das war eine wunderschöne flüssige Schönschrift.“ „...mit dem Köper passiert auch schon viel mehr bei uns ... also wir fassen uns mehr an.“ Von den Auswirkungen des Workshops vor allem im Hinblick auf ihre Paarbeziehung berichtet das Ehepaar Bär. Zunächst Herr Bär: „Es gibt (beim Halten) keine Auswegmöglichkeit. Das ist nicht wie zu Hause, weil man sich auf mindestens zwei Ebenen bewegt... die Schicht der absoluten Gegenwart, dann ... den Therapeuten zu spüren und festzuhalten – einen Vater zu haben, .... dann der Absturz in die Vergangenheit zu meiner Mutter ... als Kind und dass ich ihr heute als Erwachsener begegne...Das war schon die 6. Ebene“ „Wenn ich heute sehe, ich rutsche in ein altes Muster, merke ich es sofort und sage: >Nein, nein, das machen wir nicht!< und das ist gut.“ Frau Bär: „Was sehr deutlich war, war, dass wir danach erst mal sehr still waren. ... es gab irgendwo eine große Ruhe, wo jeder für sich verdauen musste. ... Es wirkte richtig doll so ganz in der Stille. ...Ich hatte es empfunden als sehr langen Nachklang, mehrere Wochen lang. Dadurch haben wir uns ganz gelassen – in Ruhe gelassen. Als wir wieder angefangen haben zu kommunizieren, haben wir ganz deutlich gemerkt, wo tasten wir uns auf Neuland vor und wo gab es was Altes? Da haben wir beide, ohne in vorwurfsvollen Ton da zu geraten, sehr loyal miteinander und fair uns gegenseitig darauf aufmerksam gemacht: >Guck mal, jetzt machen wir es, wie es immer war und es eigentlich nicht mehr sein soll.< Da war das alte Muster wieder und wir haben uns gegenseitig aufgefordert es weg zu lassen - freundlich und lieb gemeint.... Dadurch dass wir uns in so einem großen Rahmen dort gleichwertig erlebt haben ... keiner war schlechter, höher oder tiefer ... da habe ich den Eindruck, dass es sich auf uns übertragen hat, konnten wir die Hinweise geben ... ohne den anderen als höher oder tiefer einzuschätzen...“ Frau Lade kam mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen aus erster Ehe, Oliver (16) und Michael (14). Das Verhältnis sowohl von ihr als auch der Söhne zu ihrem Vater gestaltete sich im Alltag äußerst schwierig. Die drei erzählen, was da bei ihnen durch den Workshop in Bewegung gekommen ist: Frau Lade: „Ich habe die Wut, die ich auf meinen Exmann hatte, abgebaut. ... Also diese Wut ist einfach weg.“ Oliver ergänzt: „... seit dem Workshop mache ich meinen Vater nicht mehr so runter ... Wenn mich jemand mit ihm verglichen hat, dann hatte die Luft gebrannt. Das habe ich gehasst, wie die Pest. Aber jetzt interessiert mich das nicht mehr so, weil - er ist ja doch ein ganz anständiger Mensch - hat man mir so gesagt. ... Vorher hatte ich immer das Bild von meinem Vater, dass er ein Versager ist. Er hat sich nie um seine Kinder gekümmert und hat alles angefangen und nie etwas zu Ende gebracht. ... Aber im Endeffekt ist er so ganz in Ordnung. Ich kann ihn auch verstehen, denn Oma und Opa hatten auch höhere Berufe gehabt, wo sie auch nicht so viel Zeit für ihre Kinder gehabt haben. Dann kann man das vielleicht auch verstehen, wenn er zu seinen Kindern nicht so eine Bindung aufbaut. Seitdem interessiert mich das halt nicht mehr so. Ich schmunzele dann darüber, wenn man mich mit meinen Vater vergleicht...“ Michael: „Das war ja eine ganz verrückte Sache. Wir kamen nach Hause von dem Wochenende und eine Stunde später hatte Papa angerufen und uns gefragt, wie es uns eigentlich geht. ... und dann hat er jede Woche angerufen.“ Oliver noch einmal „Ja, vorher kann man ja sagen, dass es gar kein Verhältnis zu Papa war. Er war zu Weihnachten und zum Geburtstag da und dann außer der Reihe hat man ihn vielleicht einmal gesehen. Das war dann vielleicht zufällig, ohne was auszumachen. Er sagte auch nicht, dass wir mal zu ihm kommen können, oder so. Und jetzt ruft er halt mal an und man hat Kontakt.“ Frau Lade: „Wir (Frau und Exmann) haben uns danach auch mal getroffen und es hatte sich ein gutes Gespräch ergeben. Ich habe dann einfach auch mal meine Gefühle ihm sagen können, was ich sonst hätte ihm nie sagen können. Vorher hatte ich ihm einfach so meine Wut ihm entgegen geschmettert und so konnte ich dann einfach sagen, was ich denke und was ich fühle und was mich bewegt.“ „Aber gleich nach dem Workshop, da war eine schwere Zeit für Christoph, meinen jetzigen Ehemann, und mich. ... Keine Ahnung, da waren wir schwer unter einen Hut zu kriegen. Da haben wir uns eine ganze Weile raufen müssen, bevor wir wieder auf einem Level waren.“ Darauf ihr Mann: „Na weil du alles gleich so durchsetzen wolltest...“ Was ist in der Geschwisterbeziehung seit dem Workshop anders? Frau Lade: „Das war nämlich auch ein Problem, dass Oliver für Michael so viel Verantwortung übernommen hatte. ... Ich habe ihn gehalten, dass er einfach die Verantwortung an mich abgibt, wo sie hingehört. Wo er sich zwar gesträubt hat, aber am Ende schon bereit war...“ Und wie ist es jetzt? Michael: „Also vorher haben wir uns eigentlich ziemlich oft gestritten aber jetzt eigentlich gar nicht mehr – nur Sticheleien...“ Oliver: „Wenn Michael ein Problem hat, kann er zu mir kommen und wenn er nicht kommt, ist es sein Problem. Also ich renne da nicht hinterher.“ „...dass mich es nicht mehr interessiert, wenn er schlechte Noten hat, oder so was. Früher hatte mich das schon geärgert oder ich hätte ihm das auch immer gesagt. Aber das interessiert mich jetzt nicht mehr. Das ist halt sein Ding und ich mach meins. Wenn es eben nicht läuft, dann kann er gerne Fragen oder meine Hilfe in Anspruch nehmen. Ich bin da auch bereit. Das weiß er auch, aber er macht es eigentlich nie.“ Michael „... wenn ich (früher) lernen sollte, hat er immer getan, als wenn er irgendein Vorgesetzter wäre: >Und jetzt noch mal hier und noch mal das! Und dann noch mal das und dann noch mal das!< Da war er immer bisschen nervig. Jetzt ist es aber besser.“ Die Äußerungen der TeilnehmerInnen machen deutlich, welch vielfältige Auswirkungen das Festhalten auf die jeweiligen Personen und die Beziehungen innerhalb der Familien hat. Damit wird in der praktischen Erfahrung sichtbar, dass Bindungen und Bindungsfähigkeit die Wurzeln für die Herausbildung einer gesunden Persönlichkeit sind. Das Festhalten als Bindungstherapie befasst sich mit diesen Wurzeln – und ist daher so effektiv. Lassen wir zum Abschluss noch einmal Frau Smalla zu Wort kommen: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich da so viele Denkanstöße bekomme. ... Es hat halt auch in mir viel wachgerüttelt und viel verändert, schon auch in vielen Denkweisen.“ Zwei ihrer wesentlichen Einsichten: „Die Kinder werden Mama und Papa immer zu 100% lieben, egal was vorfällt und aus welcher Sicht ich das sehe.“ „Dass nämlich eigentlich nicht so wichtig ist, was du dem Kind sagst, sondern was du empfindest.“ zurück zur Übersicht "Wichtige Artikel" > |
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